Wie man so schön sagt: erst die Arbeit und dann das Vergnügen. Deshalb berichte ich zuerst etwas von meinem zweiten Job hier in Neuseeland und dann etwas über den Ort bzw. was man hier so machen kann.
Ich arbeite hier in Otematata im Best Dam Pub. Dabei mache ich Housekeeping im Hotel und Appartments, abends kellner ich dann im Pub. Beide Jobs haben so ihre Vor- und Nachteile, deshalb bin ich eigentlich ganz froh eine Abwechsung zu haben.
Hosuekeeping:
Meine Housekeeping Schichten starten um 9 Uhr, dann schauen wir erstmal im System nach welche Zimmer und Apartments geputzt werden müssen und Teilen uns dann in Teams auf.

Das Apartment Team fängt dann direkt mit den Apartments an. Die meisten haben ein Queenbett, Bad und Küche. Einige haben zwei Schlafzimmer. Ich finde es immer sehr praktisch wenn wir zu dritt die Apartments machen, da dann jeder einen Bereich hat. Wir routieren dann immer nach jedem Zimmer mit den Aufgaben. Das Team, dass das Pub und das Hotel putzt, fängt morgens dann mit dem Pub an. Dabei wird das ganze Pub gestaubsaugt, die Toiletten saubergemacht und noch so Kleinigkeiten wie die Türen putzen. Nachdem das Pub fertig ist, werden die Hotelzimmer geputzt. Diese haben Single oder Queenbetten und ein eigenes Bad. Die Hotelzimmer putzen wir immer alleine. Diese gehen aber auch im Vergleich zu den Apartments echt schnell.
Um 11 Uhr haben wir eine kleine Pause. Pro Schicht bekommen wir immer ein Getränk kostenlos. Das Pub hat eine echt nice Espresso Maschine und ich habe über die Wochen versucht meine Latte Art Skills aufzubauen. Einige Male habe ich kleine Herzen geschafft. Die meiste Zeit ist es jedoch ein Überraschungsbild. Nach dem wir mit den Zimmern und Apartments fertig sind, gibt es noch eine Liste, die wir abarbeiten müssen. Da sind so Aufgaben wie den Waschraum fegen oder Frühstück auszuteilen. Wir sind dann meistens gegen 14 Uhr fertig. An manchen Tagen haben wir neben den Apartments und dem Hotel noch Häuser sauber gemacht. Diese gehören irgendwem und das Pub bzw. wir werden dann dazu beauftragt die Bettwäsche zu wechseln und die Häuser sauber zu machen. Ich glaube in diesen Häusern leben irgendwelche Männer, die am Damm arbeiten. Die Häuser waren immer ziemlich ordentlich, daher denke ich, dass die auch einfach nicht viel Zeit dort verbringen. In den letzten Wochen haben wir Montags und Dienstags je zwei Häuser gemacht. Die zweit Tage waren dann auch immer die anstrengendsten, da wir meistens maximal zu viert waren und neben den täglichen Aufgaben noch diese zwei umfangreichen Zusatzaufgaben hatten. Ich glaube die hat es auch echt gar nicht interessiert, wie anstrengend das für uns war. Wir haben es ja jedes mal aufs neue geschafft, also haben die Besitzer bestimmt auch nicht die Notwendigkeit gesehen mehr Leute einzuteilen und uns etwas Arbeit abzunehmen. Insgesamt ist der Arbeitsplan super schlecht verteilt. An stressigen Tagen waren wir oft zu wenig Leute und haben Überstunden gemacht und es war einfach super anstrengend. An anderen Tagen waren wir zu viele, für vergleichbar wenig Zimmer/Apartments und haben deutlich früher Feierabend gemacht. Es ist ja abzusehen, wie viele Zimmer und Apartments gebucht sind und dann auch wieder sauber zu machen sind. Da merkt man einfach, dass die Besitzerin (Kirsty, die kümmert sich um fast alles und ist die erste Ansprechpartnerin. Brent ist fast nie im Pub) kaum Ahnung von Management hat und einfach oft keinen guten Job macht. Kirty ist grundsätzlich ein kalter Mensch. Ich hatte sie auch einmal darauf angesprochen, dass eine Kollegin rassistische Kommentare in meiner Gegenwart gemacht hat und ich mich unwohl gefühlt habe. Sie hat die Aussagen eher bestärkt, sie teilt wohl diese rassistischen Ansichten…Das ist wahrscheinlich hier auch so ein Kleinstadt Ding. Ich muss aber auch sagen, dass ich sehr überrascht war, das von meiner Vorgesetzten zu hören.
Eine Sache, die mich hier echt stört, ist dass man für so einen einfachen Job einfach vier separate Apps hat. Operandio benutzen wir die meiste Zeit, dort müssen wir Fotos von den fertigen Zimmern hochladen und dort finden wir auch die Listen für die täglichen Aufgaben. Und die werden sogar kontrolliert. Wenn wir also mal vergessen diese Listen abzuhacken, werden wir darauf aufmerksam gemacht die zu machen. An diesen Listen verändert sich nichts und es ist immer das gleiche. Es nervt echt so unfassbar immer diese Listen machen zu müssen. Die App Slack ist für Nachrichten. Wir haben dort also bestimmte Gruppen wie z.B. Front of House oder Housekeeping, für die bestimmten Aufgabenbereiche. Letztens habe ich auch erfahren, dass unser Chef alle Chats lesen kann, also auch die ‚Privatchats‘. Loaded ist eine App auf der wir unseren Schichtplan, sowie auch Timesheet sehen können. Und dann gibt es noch eine Otematata Pub App, die wir brauchen um unseren Staff-Rabatt (immerhin 50%) auf Getränke und Essen zu erhalten. Der Besitzter Brent ist echt so ein Dad, der viel zu versessen auf neue Medien ist. Man könnte es so viel einfacher machen…
An den meisten Tagen habe ich beide Schichten, also Housekeeping von 9-14 Uhr und Kellnern von 17-20/21 Uhr.
So sieht das Pub von innen aus:


Um 17 Uhr ist an den meisten Tagen noch nicht viel los im Restaurant. Da ist dann Zeit für ein paar extra Aufgaben wie Besteck polieren oder die Menükarten abwischen. Letzteres ist meine Lieblingsaufgabe. Ansonsten ist der Job recht eindeutig und einfach. Bestellungen aufnehmen, Getränke und Essen bringen und Teller abräumen. Ein Teil der Gäste sind die Locals, die in Otematata wohnen. Die sind immer an bestimmten Stehtischen. Die meisten Interaktionen, die ich mit ihenen hatten waren nicht so nett. Wenn man die Gläser abräumen will oder einen weiteren Drink anbieten will lehnen die häufig sehr negativ ab und holen sich die Getränke lieber selber. Als ich angefangen habe dort im Restaurant zu arbeiten habe ich auch gesagt, dass ich die Tische mit den Locals nicht bedienen will. Daher wurde ich auch nie in diesen Bereich eingeteilt. Ansonsten haben wir auch einige Touristen, die auf der durchreise sind, oder den Alps2Alps FahrradTrack machen. Das bedeutet die meiste Zeit bediene ich eher Touristen oder auch manchmal Kiwis aus der Umgebung (meistens Christchurch). Die meisten Gäste sind echt nett. Häufig waren die auch interessiert daran, woher ich komme und was ich hier mache. Es ist dann echt schön so ein wenig quatschen zu können. Ich fand es am Anfang überraschend, wie gesprächig die Leute sind. Ich denke, dass ist die Kultur hier so. In Deutschland fände ich das ein wenig seltsam die Kellner*innen in einem Restaurant private Fragen zu fragen. Hier empfinde ich das aber nicht als seltsam und eher sehr nett. Über die zwei Monate wo ich hier arbeite, habe ich meine Geschichte bestimmt ein Hundert mal erzählt, so langsam habe ich also keine Lust mehr es immer wieder zu erzählen, ich finde es aber immer noch sehr nett, weil die Menschen auch einfach nur neugierig sind. Einige Male wurde vermutet, dass ich aus Großbritannien komme. Außerdem wurden mir schon einige Komplimente zu meinem guten Englisch gegeben. Das freut mich natürlich auch immer. Wahrscheinlich liegt es aber auch daran, dass ich die Konversationen schon so oft geführt habe, das es so flüssig rüber kommt. Im Restaurant gibt es jeden Tag ein Special: Montags ist Taco Tag (Taco Vorspeise ist günstiger), Dienstag: Fish and Chips 22NZD, Mittwoch: Dumping Tag, Donnerstag: Pub Quiz und Wings für je 1NZD, Samstags: manchmal Live Musik, Sonntags: Meat Ruffle und Happy Hour. Das Meat Ruffle sonntags ist echt ein Erlebnis für sich. Es wird Fleisch verlost und man muss sich das so vorstellen, dass sich jede Runde so 20 alte Leute anstellen um sich lose zu kaufen und wenn die gewonnen haben sich auch lautstark freuen. Es ist schon witzig. Wenn wir viele Reservierungen hatten, wurde das Restaurant in Bereiche aufgeteilt, um sich die Arbeit zu teilen.
In den letzten Wochen habe ich auch hinter der Bar gearbeitet. Es kam überraschend, dass ich hinter die Bar sollte und auch mein erster Tag war ein sehr stressiger Tag. Aber es lief gut und macht auch eigentlich spaß. Es ist deutlich weniger anstrengend als kellnern. Man läuft halt nicht die ganze Zeit durch die Gegend und muss nicht die ganze Zeit irgendwas tragen. Wenn es aber stressig ist und einer verschiedene Getränke haben möchte kann das natürlich auch anspruchsvoll sein. Mir hat es aber eigentlich auch Spaß gemacht.
Hier mal so ein Video von einem Abend, an dem es Live Musik gab:
Die Speisekarte ist sehr Fleisch lastig, deshalb habe ich eigentlich nur eine Pokebowl dort probiert, die auch lecker war. Jedoch finde ich, dass die Preise für das Essen ziemlich hoch sind, wir sind hier aber auch gefühlt mitten im nirgendwo. Ich habe keinen Gast gehabt, dem das Essen nicht geschmeckt hat. Ich finde die Gerichte sind ein wenig random, es gibt Tacos, Dumplings und Knoblauch Brot als Vorspeise und Curry, Burger und Steakes als Hauptspeisen. Jede paar Wochen ändert sich der Cheesecake, Hot Fruit Crumble und ein weiteres Gericht (Chefs Special).
Grundsätzlich macht mir das kellnern spaß, manchmal ist es aber auch echt anstrengend.
Otematata ist eine kleines Dorf. Es liegt in der Nähe von Lake Pukaki und Lake Tekapo. Otematata ist eher ein Ort durch den man vielleicht mal durchfährt oder nur kurz anhält. Es hat auch nur ein paar Hundert Einwohner. Es gibt einen echt schönen See und viele Berge drum herum. Otematata hat auch einen großen Staudamm (Daher auch der Name des Pubs, Best Dam Pub). Es gibt keinen Supermarkt, nur einen kleinen Kiosk mit den wichtigsten Lebensmitteln und einem Post shop. Ansonsten gibt es noch einen Kaffee und Eis Truck. Der nächste Supermarkt ist 20 Minuten mit dem Auto entfernt und dieser ist echt sehr klein und ziemlich teuer. Zu Fuß würde das 6 Stunden dauern :o. Die nächste größere Stadt ist 2 Stunden entfernt. Dort gibt es dann auch normale Supermärkte. Hier in Otematata passiert echt nichts, und wenn, dann in dem Pub wo ich arbeite. Die meiste Zeit stört es mich nicht hier so isoliert zu sein, manchmal ist es aber auch echt nervig immer so weit fahren zu müssen, nur um mal in den Supermarkt zu gehen. Außer meinen Kollegen habe ich auch gar kein Kontakt zu anderen Backpacker*innen oder so. Da ich aber im Restaurant so viele andere Menschen treffe, habe ich auch insgesamt genug soziale Kontakte. Ich könnte mir nicht vorstellen längerfristig an so einem Ort zu bleiben, es ist aber auf jedenfall eine Erfahrung für sich.
Es gibt einen schönen kurzen Track, denn man hier machen kann:


Der Damm:


An sonnigen Tagen ist es auch super schön am See:





Das Wasser ist sehr klar, wie fast in jedem See hier in Neuseeland, jedoch auch super kalt. Deshalb war ich nicht in dem See schwimmen.
Wahrscheinlich gibt es auch nur wenig Orte, wo man eine Herde Schafe einfach auf der Straße laufen sehen kann:

Man konnte auch sehen, wie ein Schäferhund hinter den Schafen her gelaufen ist und darauf aufgepasst hat, dass alle zusammen bleiben. Auch als ein Schaf sich hinter einem Auto versteckt hat, hat der Hunde es wieder eingesammelt.








